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Drei Stadtwerke unterzeichnen Planervertrag für die Grüne Wärme der Lausitz

Die Stadtwerke Weißwasser GmbH, die Versorgungsbetriebe Hoyerswerda GmbH und die Städtische Werke Spremberg (Lausitz) GmbH haben einen bedeutenden Schritt in Richtung klimaneutraler Wärmeversorgung vollzogen: Am 3. März 2026 wurde der Planervertrag mit der Fichtner GmbH & Co. KG für die Planungsleistungen zur „Grünen Wärme“ unterzeichnet. Damit beginnt die konkrete Planungsphase eines der ambitioniertesten Wärmetransformationsprojekte in Deutschland.

Rückblick: Gemeinsam den Weg bereitet
Seit 2020 arbeiten die drei Stadtwerke eng zusammen, um die Wärmeversorgung in der Lausitz zukunftsfähig zu gestalten. Die Transformationsstudie des Fraunhofer IEG unter Leitung von Prof. Dr. Mario Ragwitz lieferte 2023 die fundierte Grundlage. 2025 folgte ein EUweites Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb und drei Losen – eines je Stadtwerk. Von mehreren eingegangenen Teilnahmeanträgen erfüllten die meisten die hohen fachlichen Anforderungen.

Ausblick: Solide Planungsgrundlagen für strategische Entscheidungen
Mit der Beauftragung schaffen die drei Stadtwerke belastbare Grundlagen für Investitionsentscheidungen. Die Leistung umfasst die ingenieurtechnische Planung bis zur Genehmigungsreife auf Basis der Transformationsstudie; Ziel ist eine weitgehend dekarbonisierte, wirtschaftlich tragfähige und sichere Wärmeversorgung bis Mitte der 2030er Jahre. Die Ergebnisse der Planungen sollen in der zweiten Jahreshälfte vorliegen; das Projekt wird durch die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW) unterstützt.

Spremberg: Liefervertrag schafft Raum für fundierte Entscheidungen
Im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung über den Wärmeliefervertrag zwischen den Städtischen Werken Spremberg und der LEAG ist eine Erläuterung hilfreich: Der im Februar 2026 unterzeichnete Vollversorgungsvertrag sichert die Wärmeversorgung grundsätzlich bis Ende 2037, enthält jedoch eine beiderseitige Kündigungsmöglichkeit zum 31. Dezember 2029. „Der Vertrag ist keine langfristige Festlegung, sondern eine flexible Lösung, die uns Planungssicherheit für die Übergangszeit gibt“, betont Michael Schiemenz, Geschäftsführer der Städtischen Werke Spremberg. „Die Kündigungsoption 2029 ist ein zentrales Element unserer Strategie. Sie ermöglicht es uns, auf Basis der Planungsergebnisse eine fundierte Entscheidung über den weiteren Weg zu treffen – sei es die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit der LEAG zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen in der Fernwärmeversorgung ab 2030 oder die Realisierung eigener grüner Wärmeerzeugungsanlagen. Für uns sind Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit über einen langfristigen Zeitraum die maßgeblichen Kriterien.“

Planungsleistungen als unverzichtbare Grundlage – unabhängig von Vertragsoptionen
Die Beauftragung der Planungsleistungen steht nicht in Frage. Die drei Unternehmen verfolgen ihren Kurs der umfassenden Prüfung und Planung konsequent – unabhängig von Vertragssituationen. „Die aktuelle Berichterstattung könnte den Eindruck erwecken, dass mit dem LEAG-Vertrag für Spremberg alles geklärt sei. Das ist nicht der Fall. Der Vertrag sichert die Versorgung in der Übergangszeit, aber er beantwortet nicht die Frage, wie die klimaneutrale Wärmeversorgung ab 2030 und darüber hinaus aussehen soll – und vor allem: zu welchen langfristigen Kosten und unter welchen Bedingungen. Genau diese Antworten erwarten wir von den Planungsleistungen“, ergänzt Herr Schiemenz. „Nur mit professionellen Planungen können wir fundiert bewerten: Welche technischen Lösungen sind möglich? Was kosten sie? Wie wirtschaftlich sind sie im Vergleich zu anderen Optionen – einschließlich einer langfristigen LEAG-Belieferung? Und in welchen zeitlichen Etappen kann die Transformation erfolgen?“

Politische Unsicherheiten ändern nichts an der wirtschaftlichen Notwendigkeit
Die Diskussionen über mögliche Änderungen am Gebäudeenergiegesetz (GEG) sorgen für Unsicherheiten bei Bürgerinnen und Bürgern sowie in der Wohnungswirtschaft. Für die drei Stadtwerke bleibt jedoch klar: Die Transformation der Wärmeversorgung ist nicht nur klimapolitisch, sondern vor allem wirtschaftlich geboten. „Politische Rahmenbedingungen mögen sich ändern, aber die physikalische und wirtschaftliche Realität bleibt: Wir müssen unsere Wärmeerzeugung neu aufstellen“, erläutert Wolf-Thomas Hendrich, Geschäftsführer der VBH. „Die steigenden Kosten für fossile Energieträger machen die Transformation nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch zwingend erforderlich. Deshalb ist es jetzt umso wichtiger, mit professioneller Planung ein solides Fundament zu schaffen. Wir wollen wissen, welche technischen Lösungen möglich sind, was sie kosten und in welchen zeitlichen Etappen die Transformation erfolgen kann. Diese Planungssicherheit ist unbezahlbar – gerade in unsicheren Zeiten.“

Katrin Bartsch, GF der Stadtwerke Weißwasser GmbH führt aus: „Für Weißwasser ist klar: Wir brauchen fundierte Planungen, um die Wärmewende erfolgreich zu gestalten. Die gemeinsame Ausschreibung mit Hoyerswerda und Spremberg war der richtige Weg – sie bringt uns nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern auch Zugang zu erstklassiger Expertise. Diese Expertise ist unverzichtbar, um für unsere Stadt die wirtschaftlichste und versorgungssicherste Lösung zu finden. Wir investieren jetzt in Wissen und Planungssicherheit, damit wir morgen die richtigen Entscheidungen treffen können – Entscheidungen, die auch in 15 Jahren noch tragfähig sind.“

Projektleitung: Koordination und Umsetzung
„Als neu berufener Projektleiter freue ich mich darauf, dieses wegweisende Projekt gemeinsam mit den drei Stadtwerken und unseren Partnern voranzutreiben. Die Planungsphase ist entscheidend dafür, dass wir in den kommenden Jahren die richtigen Investitionen tätigen und die Wärmewende erfolgreich umsetzen. Bis 2027 werden wir wissen, welche Investitionen für eigene Grüne Wärmeerzeugung notwendig sind, wie wirtschaftlich diese im Vergleich zu einer langfristigen LEAG-Belieferung sind und welche Fördermittel zur Verfügung stehen. Erst dann können wir eine fundierte Entscheidung treffen. Wir prüfen alle Optionen ergebnisoffen, aber mit klaren Kriterien: Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und strategische Unabhängigkeit“, sagt Michael Trela, Projektleiter Wärmetransformation.

Fichtner und Partner als starkes Konsortium
Das beauftragte Konsortium vereint umfassende Planungskompetenz und wissenschaftliche Exzellenz. Neben der federführenden Fichtner Gruppe gehören dazu die Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (Fraunhofer IEG), Solites sowie lokale Partner, mit denen sich Fichtner in Abstimmung befindet. „Wir freuen uns über das Vertrauen der drei Stadtwerke. Die Wärmetransformation in der Lausitz ist ein Leuchtturmprojekt, bei dem wir unsere gesamte Expertise in der Planung innovativer Wärmeerzeugungsanlagen und -netze einbringen können. Gemeinsam mit unseren Partnern werden wir maßgeschneiderte Lösungen entwickeln, die technisch ausgereift, wirtschaftlich tragfähig und zukunftssicher sind. Dabei werden wir selbstverständlich auch mögliche Kooperationsmodelle mit der LEAG analysieren und bewerten – immer mit dem Ziel, die wirtschaftlichste und versorgungssicherste Lösung für die Region zu finden“, erklärt Johannes
Kretschmann, Projektdirektor Fichtner GmbH & Co. KG.

Anja Hanßke, Projektleiterin Fraunhofer IEG, ergänzt: „Als wissenschaftlicher Partner und Koordinator der Transformationsstudie sehen wir die Lausitz als Modellregion für die Wärmewende in Deutschland. Die Zusammenarbeit mit Fichtner und den weiteren Partnern bündelt fachliche Expertise und praxisnahe Umsetzungskompetenz. Wir werden die Stadtwerke dabei unterstützen innovative Technologien wie Großwärmepumpen, Solarthermie und saisonale Speicher optimal zu integrieren und dabei stets die Wirtschaftlichkeit im Blick zu behalten. Unsere Analysen werden auch verschiedene Versorgungsszenarien vergleichen – von eigenen Erzeugungsanlagen bis zu Kooperationsmodellen – um die beste Lösung für die Region zu identifizieren.“

Erfolgreiche gemeinsame Ausschreibung als Modell
Die gemeinsame Ausschreibung der drei Stadtwerke hat sich bewährt: Durch die gebündelte Vergabe wurden ein sehr hohes Qualitätsniveau der Angebote erreicht und wirtschaftliche Vorteile realisiert. „Die gemeinsame EU-weite Ausschreibung hat sich ausgezahlt – wir haben nicht nur qualitativ hochwertige Angebote erhalten, sondern auch wirtschaftliche Vorteile durch die gebündelte Vergabe erzielt. Das zeigt, dass Kooperation der Schlüssel zum Erfolg ist“, betont Michael Schiemenz.

Gemeinsam für die Lausitz – mit allen Optionen
Die enge Kooperation der drei Stadtwerke ist beispielhaft: Durch gemeinsame Beschaffung, abgestimmte Planungen und den Austausch von Know-how werden Synergien realisiert und Kosten gesenkt. „Wir ziehen an einem Strang“, betont Wolf-Thomas Hendrich. Der eingeschlagene Weg übernimmt regionale Verantwortung und legt den Grundstein für eine sichere, wirtschaftliche und klimaneutrale Wärmeversorgung – für die Bürgerinnen und Bürger von Hoyerswerda, Spremberg und Weißwasser.

Fotos (Gernot Menzel)

Infos zur Projektförderung: